Laban Resources
The Choreographic Institute (Berlin)
Das Choreographische Institut Laban ist Anfang 1926 aus der Notwendigkeit entstanden, ein Stätte zu schaffen, an der die zentralen Probleme der Bewegungskunst geklärt und gepflegt werden. Ziele eines choreographischen Institutes: Aus dem Chaos alter und neuer Bestrebungen zur Bewegungsbildung muss eine übersichtliche Ordnung herauskristallisiert werden.
Es tauchen folgende Fragen auf:
Welches sind die Grundlagen jeder neuzeitlichen Bewegungserziehung und Bewegungskunst?
Wie sind die Errungenschaften bisheriger Versuche und Vorarbeiten am besten zusammenzufassen?
Wie kann eine Regelung der hierhergehörenden, verschiedenen Arbeitsgebiete erfolgen?
Welche Entwicklung kann die Bewegungskunst auf Grundlage einer solchen Regelung nehmen?
Das Choreographische Institut soll aber die Antwort auf diese Fragen nicht etwa allein in Form theoretischer Untersuchungen feststellen, sondern auf den verschiedenen Gebieten praktischen Aufbau leisten.
Es ergibt sich daraus eine Gliederung in eine theoretische und eine praktische Abteilung. Die erstere wird sich mit dem Ausbau einer allgemeinen Bewegungswissenschaft befassen, und die zweite wird alle Gebiete der Bewegungskunst pflegen.
Das Choreographische Institut wird im Rahmen seiner Aufgaben die Pflege der praktischen Bewegungspädagogik nur als Nebenfaktor betrachten und die eigentlich Bewegungsbildung entsprechenden Fachschulen überlassen, zu deren Gründung und Einrichtung aber weitgehende Anregungen gegeben werden sollen.
Massgebend für die Notwendigkeit eines solchen Institutes ist vor allen die Erkenntnis.
dass die Pflege der Bewegungskunst heute eine grundlegende soziale Erscheinung geworden ist;
dass im Tanz der Gegenwart ein verzweifelter Kampf eines neuen Weltsehens gegen eine alte, vergehende Lebensanschauung zutage tritt und wirksamsten Förderer findet;
dass die alte statisch-beharrende Kunst als Ausdruck und als Belebungsmittel unserer Zeit nicht mehr genügt, und dass eine neue rhythmisch-dynamische, labile Lebensformung und Kunst allerorts auftritt.
Die Frage nach den Gesetzen dieser neuen Kunst führt zur neuen Choreologie, der Ordnung des kreisenden Fliessens der Bewegung, im Gegensatz zum Gesetz des Bildes, der Ruhe, der Starrheit.
Der Erkenntnis dieses Fliessens kann nur in der Bewegungsschrift festgehalten werden.
Unter die Menschen gelangt dieses Wissen und diese Kunst durch Tanzwerke, die nach schriftlicher Aufzeichnung reproduzierbar sind.
Diese Tanzliteratur (in Tanzschrift) wird erst das Publikum, die Kritiker und Theoretiker erziehen können. Heute ist die mangelnde Bildung der Kritisierenden, die sich in Chaos nicht auskennen, ein schwerwiegende Hemmschuh für Gestaltung notwendiger Vorbedingungen wie Schulen, Bühnen, Festräume. Heute sehen noch wenige das unpersönliche Tanzwerke, die meisten sehen nur den Tänzer und seine persönlichen Besonderheiten (Eigenschaften eine starren Charaktertyps).
Wo ist die Tanzakademie?
In den betreffenden Schulen werden meist persönlich Methoden zusammengestückelt aus fremden und eigenen Versuchen. Nur eine in rastloser Klärung vorbereitete einheitliche Anschauung über Wert und Wesen der Bewegung kann die Grundlage zu Stätten schaffen, die sich würdig in jene Veranstaltungen einreihen, die wie als Stadion, Sportschulen, Konservatorien usw. schon längst besitzen.
Neue Tanzberufe in rigoros reinlicher Trennung entstehen!
Der Tänzer als Bühnentänzer, Konzerttänzer, Tanzlehrer, Tanzleiter für Laienchöre, für das Wort- und Ton-theater, für das Tanztheater, der Tanzwissenschaftler als Choreologe, Kinetograph (Tanzschreiber), der Tanzkomponist, der theoretische Forscher und Tanzkunstkritiker, der Soziologe, der sich mit dieser neuen Welt und ihren Auswirkungen beschäftigt.
Die Arbeit eines Choreographischen Instituts ist Vorbereitung des Boldens für die Zukunft der Tanzkunst.
An praktischer Organisation ist im Choreographischen Institut Laban, folgendes geleistet:
Abteilung für allgemeine Bewegungsforschung.
Abteilung für aufklärende Vortragsreisen mit Lichtbildern und Filmvorführungen, erläuternde Tanzvorführungen.
Abteilung zur Aufnotierung von Tänzen, Bewegungschorwerken, Regienotierungen für Oper und Schausspiel*.
Die Kinetographie Laban ist ein einfaches Zeichenalphabet mit dem alleinigen Zweck, Tänze und Bewegungsfolgen leicht lesbar zu notieren. Irgendwelche harmonischen, psychologischen, choreologischen oder sonstigen Vorkenntnisse sind bewusst ausgeschalter. Jedes Kind soll einfach beobachtete Bewegungen einfach niederschreiben und lesen können.
Abteilung für den Unterricht in Kinetographie, Ausbildung von Lehrern für Kinetographie;
Abteiling für Regie und Einstudierungen von Gruppen und Einzeltänzen;
Abteiling für den Entwirf von Chorfeirern und tänzerischen Festaufführungen;
Abteiling für die Zusammenstellung von Tanzprogrammen einschliesslich Regie und Ausstattung in tänzerischem Sinne.
Dem Choreographischen Institut Laban, Berlin, angeschlossen war bis 1. Oktober 1929 seit 1910 bestehende „Zentralschule Laban“ mit der Aufgabe, Kunstänzer, Bewegungschorleiter, Laientanzlehrer auszubilden. Die Zentralschule Laban ist jetzt mit der Tanzabteilung der Folkwangschulem in Essen a.d. Ruhr vereinigt in die Regie der Stadt Essen übergegangen. Rudolf Laban fungiert an der Schule als Prüfungsmeister.
Die Kammertanzbühne Laban (früher Tanzbühne Laban seit 1921) war bis vor kurzem der künstelische Exponent des Choreographischen Instituts. Diese Bühne besteht jetzt als Kammertanzbühne Dussia Bereska selbständig weiter.
Das Choreographische Institut Laban Berlin, Gillstr. 10, Tel. H2 Uhland 7645m arbeitet unter der persönlichen Leitung von Labans. Assistenz Susanne Ivers. Zue Mitarbeit werden von seinen Meisterschülern zu besonderen Aufgaben (siehe Abteilungen) geeignete Tänzer, Choreologen, Kinetographen usw. herangezogen.
*Die Aufnotierun geschieht in der Kinematographie Laban (Bewegungsschrift). Den Druck und Verlag für alle Aufnotierungen besorgt die Universal-Edition A.-G. Wien
Die Universal-Edition veröfftentlicht auch ein periodisches Magazin „Schrittanz“, das Mitteilungblatt der „Deutschen Gesellschaft für Schrifttanz“, die sich die Stützung der Ziele des Choreographischen Instituts zur Aufgabe macht.
(A printed brochure)
The Choreographic Institute was founded in early 1926 in response to the need for a space to investigate and nurture different aspects of the art of movement. The aims of a choreographic institute must be to bring order into the chaos of old and new theories of movement.
This raises the following questions:
What basic principles underpin the modern art and education of movement?
How are the various attempts and achievements in movement theory so far to be collated and structured?
How can the emerging different areas of work be codified?
Based on these rules, how can the art of movement develop in the future?
The Choreographic Institute will work to answer these questions not just in the form of theoretical investigations but will provide wide-ranging practical work. This necessitates a structure of a theoretical and a practical branch. The former will focus on the establishment and expansion of a general science of movement, while the latter will seek to nurture all areas of the art of movement. As part of its mission the Choreographic Institute will treat the cultivation of a practical movement pedagogy only as a side factor and leave the actual movement education to the practical educational facilities, but will take a leading role in guiding the establishment of these technical colleges.
The demonstrative need for an institute such as this is given above all by the recognition that the cultivation of the art of movement has today become a fundamental social phenomenon; that within contemporary dance we see both a desperate fight as well as a champion of this struggle of a radically new way of seeing the world against an older and fading philosophy [Lebensanschauung]; that the old, stubborn and static art of movement can no longer serve adequately as a form of expression and inspiration for our times, and that we see the emergence everywhere of a rhythmic-dynamic, fluid art form and life style.
The question of the rules of this new art form leads us to choreology, the principle of circular flow of movement as opposed to the law of the image, the silence and the static.
The discovery of this flow can only be reproduced by means of a movement notation. This discovery and theory will only become more widely recognised through the production of dance pieces that can be reproduced using written notation. This new form of dance literature (using dance notation) will educate the audience as well as critics and dance theorists. Today the lack of proper education of the critics is a notable obstacle to the establishment of necessary conditions such as schools, stages, festival halls. Nowadays there are still not enough people who can recognise the independent piece of dance work, most only focus on the dancer as an individual with individual attributes (with the attributes of a strictly defined character type).
Where is dance theatre?
Dance theatre will only become possible after the codifying of the art form! Today’s dance culture, both public and private, is a compromise between the old methods, new people with new methods, and old people.
Where is dance theory and the academy of dance?
In the relevant schools there is usually a personal method on offer consisting of a mix of someone’s own methods and foreign influences. Only the establishment of a unified, clear vision of the sense and status of movement can create the conditions for places that are fit to operate alongside our stadiums, sport academies and music conservatoires.
The creation of clearly defined dance professions! The dancer as stage dancer, concert dancer, dance teacher, dance leader for lay choirs, for the theatre of the word or sound, for dance theatre, the dance scientist as choreologist, kinetographer (dance notator), the dance composer, the theory researcher and the critic of dance art and finally the sociologist, who studies this new world and its implications.
The work of the choreographic institute is the preparation of the ground for the future of the art of dance. The practical work being undertaken at the choreographic institute Laban in Berlin so far has established the following:
The department for movement research.
The department for the creation of lectures including presentations of photographic slides and films, and educational dance demonstrations.
The department for the written documentation of dances, works by and for movement choirs, notes on directing operatic works and plays.
Kinetography Laban is a simple alphabet of symbols with the sole purpose of notating dances and movement sequences in a way that is easily understood. Any previous knowledge in terms of harmony, psychology, choreology or any other have been deliberately disregarded. Any child should be able to observe, document and read movement sequences.
The department for the education in Kinetographie, teacher training in Kinetography;
The department for direction and production for groups and solo dance;
The department for choral festivals and festival productions;
The department for the organisation of dance programs including directing and design in a way that is supportive of dance.
The Choreography Institute Laban was linked to the Central School Laban (est. 1910) until October 1st 1929, with the mandate to educate solo dancers, leaders of movement choirs and lay dance teachers. The Central School Laban has now merged with the dance department of the Folkwang school in Essen a. d. Ruhr, under the leadership of the city of Essen. Rudolf von Laban is chief examiner.
The Kammertanzbühne Laban (previously Tanzbühne Laban since 1921) has until recently been the artistic exponent of the Choreography Institute. The company continues its work independently under the name Kammertanzbühne Dussia Bereska.
The Choreography Institute Berlin, Gill Street 10, Tel. H 2 Uhland 7645, continues under the personal leadership of Rudolf von Laban, Assistant Susanne Ivers. Staff positions are also filled with talented senior students from across the departments as dancers, dance teachers, dance leaders, choreographers, kinetographers etc.
Das Forschungsinstitut für Bewegung
Das Forschungsinstitut für Bewegung (Choreographisches Institut) und das internationale Theater sind 2 parallel Unternehmungen die sich gegenseitig unterstützen. Das Choreographische Institut hat zur Aufgabe die Eukinetik aller Rassen zu studieren und zu verschmelzen. Die neue Bewegungsschrift, deren Prinzipien in R.L.s Choreografie (Jena, Diederichs, 1926) niedergelegt sind, voll zu einem internationalen Verständigungsmittel über Eukinetik und verwandte Gebiete ausgebaut werden. Ausser den europäischen Formen des Tanzes und der Pantomime soll vorallem das chinesische und tibetanische Bewegungssystem in religiösen und gesellschaftlichen Riten und Ceremonien ferner das chinesische Theater studiert werden.
Rhythmische Elemente bieten die Trommelsprache der Neger und Indianen ferner die chinesische Musik. Die aus diesen Forschungen entstehende Bewegungssynthese kann und soll eine internationale
Verständigungssprache durch die Geste begründen. Diese Sprache ist unbewusst vorhanden. Ein großer Teil der heutigen Körperkultur Bestrebungen ist auf die Gesetze dieser Sprache aufgebaut. Die bewusste Einführung dieses Systems in die Gymnastik wird diese durchgeistigten und ihr einen neuen Sinn geben, im Gegensatz zur bisher rein egozentrisch betriebenen Körperkultur.
Das internationale Theater soll diese Ideen verbreiten helfen und gleichzeitig eine neue, unserer Zeit entsprechende Kunstform schaffen.
Historisch wertvoll sind Vorführungen von Tanzen und Pantomimen verschiedener Rassen, so auch des Tanzes und der Pantomime der weißen Rasse, inbegriffen den Film, die heute wieder einen großen Aufschwung erleben.
Das Wesentliche ist aber das Schaffen neuer Kunstwerke die die internationale Bewegungssprache als Ausdrucksmittel benutzen.
Das choreografische Institut und das internationale Theater Bestehen seit mehreren Jahren in Deutschland unter der Leitung R.L.s. Letzthin wurde versucht diesen Veranstaltungen ein Heim in Würzburg zu schaffen, wo zu diesem Zwecke ein großer Freiluftpark und mehrere Säle zu Verfügung gestellt wurden. Die Gründungsversammlung in Rathaus zu Würzburg fand unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Zöffler und unter Beteiligung der Behörden und der Universität Würzburg Anfang 1926 statt. Ungefähr 70 Schulen in Europa, verschiedene Kurse in anderen Weltteilen und mehrere Tanz-Bühnen sind der Zentralstelle dieser beiden Schwesterunternehmungen (choreografisches Institut und internationales Theater) angeschlossen.
The Research Institute for Movement (Choreographic Institute)
The Research Institute for Movement (Choreographic Institute) and the International Theater are two parallel, mutually supportive organisations. The Choreographic Institute's mission is to study and integrate the kinetics of all races. The new movement notation, whose principles are laid down in R.L.'s Choreography (Jena, Diederichs, 1926), is to be fully developed into an international means of communication on kinetics and related fields.
In addition to European forms of dance and mime, the Chinese and Tibetan movement systems in religious and social rites and ceremonies, as well as Chinese theatre, will be studied.
Rhythmic elements are provided by the language of the talking drum of the Africans and Indians, as well as by Chinese music. The movement synthesis resulting from this research can and should establish an international language of communication by means of the gesture.
This language exists unconsciously. A large part of the aims of our modern culture of the body is based on the laws of this language. The conscious introduction of this system into gymnastics will spiritualize this system and give it a new meaning, in contrast to the previously purely egocentric culture of the body. International theatre will help to spread these ideas and at the same time create a new art form that is appropriate to our times.
Historically valuable are performances of dances and mimes of the different races, including the dance and mime of the white race, including films, which are experiencing a great resurgence today.
The essential thing, however, is the creation of new works of art that use the international language of movement as a means of expression.
The Choreographic Institute and the International Theater have existed in Germany for several years under the direction of R.L. Recently, an attempt was made to establish a home for these events in Würzburg, where a large open-air park and several halls were made available for this purpose. The founding meeting took place in Würzburg Town Hall under the chairmanship of Mayor Zoeffler and with the participation of the authorities and the University of Würzburg in early 1926. Approximately 70 schools across Europe, various courses in other parts of the world, and several dance companies are affiliated with the central office of these two sister companies (the Choreographic Institute and the International Theater).
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